Sondermautstrecken in Österreich: Tunnel, Pässe und Alpenübergänge im Überblick
Markus Steinberger
26 Juni 2026
Sondermautstrecken in Österreich: Tunnel, Pässe und Alpenübergänge im Überblick
Wer mit dem Auto durch Österreich fährt, kennt die Vignettenpflicht auf Autobahnen und Schnellstraßen. Doch viele Reisende werden überrascht, wenn an bestimmten Streckenabschnitten zusätzliche Gebühren anfallen. Die sogenannten Sondermautstrecken betreffen vor allem Tunnel, Passstraßen und aufwendige Alpenübergänge, deren Bau und Instandhaltung besonders kostenintensiv sind. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über die Sondermautstrecken in Österreich wissen müssen – von den einzelnen Strecken über die aktuellen Tarife bis hin zu praktischen Tipps für Ihre Reiseplanung.
Was sind Sondermautstrecken und warum gibt es sie?
Sondermautstrecken sind Straßenabschnitte, für die über die reguläre Vignette hinaus eine gesonderte Mautgebühr erhoben wird. Der Grund dafür liegt in den enormen Bau-, Betriebs- und Wartungskosten dieser Infrastrukturprojekte. Lange Tunnel, Brücken in extremer Höhenlage und Passstraßen durch das Hochgebirge erfordern einen technischen und finanziellen Aufwand, der weit über den normaler Autobahnabschnitte hinausgeht.
Die ASFINAG (Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft) betreibt die meisten dieser Strecken und legt die Tarife fest. Einige Passstraßen werden hingegen von privaten Betreibern oder Landesgesellschaften verwaltet.
Wichtig: Eine gültige Vignette allein reicht auf diesen Strecken nicht aus. Sie müssen die Sondermaut zusätzlich entrichten, sonst drohen empfindliche Strafen.
Die wichtigsten Sondermautstrecken im Überblick
Österreich verfügt über eine beachtliche Anzahl an Sondermautstrecken. Hier stellen wir Ihnen die bedeutendsten vor:
1. Brenner Autobahn (A13)
Die Brenner Autobahn ist wohl die bekannteste Sondermautstrecke Österreichs und eine der meistbefahrenen Transitrouten Europas. Sie verbindet Innsbruck mit der italienischen Grenze am Brennerpass und ist für den Nord-Süd-Verkehr von zentraler Bedeutung.
- Streckenlänge: ca. 35 km (mautpflichtiger Abschnitt)
- Mautgebühr (PKW, einfache Fahrt): ca. 11,50 €
- Besonderheit: Die Maut wird an der Mautstation Schönberg erhoben
- Bezahlung: Bar, Kreditkarte, Debitkarte, Videomaut
- Tauerntunnel: ca. 6,4 km lang
- Katschbergtunnel: ca. 5,9 km lang
- Mautgebühr (PKW, einfache Fahrt): ca. 13,50 € (für beide Tunnel zusammen)
- Bezahlung: Mautstation vor Ort, Videomaut oder digitale Streckenmaut
- Mautgebühr (PKW, einfache Fahrt): ca. 11,00 €
- Besonderheit: Seit 2019 gibt es eine Nachttarif-Regelung mit reduzierten Gebühren
- Alternative: Der Arlbergpass (Flexenpass/B197) ist im Sommer eine mautfreie, aber deutlich längere Alternative
- Bosrucktunnel: ca. 5,5 km
- Gleinalmtunnel: ca. 8,3 km
- Mautgebühr (PKW, einfache Fahrt): ca. 7,00 € (Bosruck) bzw. ca. 10,00 € (Gleinalm)
- Tunnellänge: ca. 7,9 km
- Mautgebühr (PKW, einfache Fahrt): ca. 7,90 €
- Besonderheit: Die Maut wird nur in eine Richtung erhoben (Richtung Slowenien)
- Großglockner Hochalpenstraße: ca. 40,50 € (PKW, Tageskarte) – eine der spektakulärsten Panoramastraßen Europas
- Gerlos Alpenstraße: ca. 10,50 € (PKW)
- Timmelsjoch Hochalpenstraße: ca. 18,00 € (PKW)
- Silvretta Hochalpenstraße: ca. 16,50 € (PKW)
- Nockalmstraße: ca. 20,00 € (PKW)
- Villacher Alpenstraße: ca. 18,50 € (PKW)
- Malta Hochalmstraße: ca. 20,00 € (PKW)
- Buchbar über asfinag.at oder die ASFINAG-App
- Gültig für einen bestimmten Zeitraum (meist 1 Jahr oder Einzelfahrt)
- Besonders empfehlenswert für Vielfahrer und Pendler
- Jahreskarte Tauern/Katschberg: ca. 120 € (PKW)
- Jahreskarte Arlbergtunnel: ca. 100 € (PKW)
- 10-Fahrten-Karte: je nach Strecke verfügbar
- Routenplanung: Prüfen Sie vorab, welche Sondermautstrecken auf Ihrer Route liegen. Nutzen Sie dafür den ASFINAG-Routenplaner oder gängige Navigations-Apps.
- Kosten kalkulieren: Addieren Sie die Mautgebühren zu Ihren Reisekosten. Bei einer Durchquerung Österreichs von Nord nach Süd können schnell 30–50 € an Sondermaut zusammenkommen.
- Bargeld bereithalten: Auch wenn Kartenzahlung weit verbreitet ist, empfiehlt es sich, ausreichend Euro-Bargeld dabei zu haben.
- Videomaut buchen: Registrieren Sie sich vorab für die Videomaut, um an den Mautstationen Zeit zu sparen.
- Stauzeiten beachten: Besonders an Wochenenden, Feiertagen und zu Ferienbeginn kann es an Mautstationen zu langen Wartezeiten kommen. Planen Sie Pufferzeit ein.
- Tunnelregeln beachten: In österreichischen Tunneln gelten besondere Verkehrsregeln: Licht einschalten, Abstand halten, Überholverbot in vielen Tunneln, Radio einschalten (Verkehrsfunk auf vorgegebener Frequenz).
- Pannenhilfe: Notrufsäulen sind in allen großen Tunneln vorhanden. Merken Sie sich die Notrufnummer 112 und die ASFINAG-Pannenhilfe.
- Deutlich langsamer (oft 30–60 Minuten Mehrfahrzeit)
- Kurvenreicher und anspruchsvoller zu fahren
- Im Winter teilweise gesperrt
- Für Wohnmobile und Gespanne nur bedingt geeignet
- Ersatzmaut: Je nach Strecke zwischen 120 € und 240 €
- Verwaltungsstrafe: Bei Nichtbezahlung der Ersatzmaut drohen Strafen bis zu 3.000 €
- Anzeige: In schweren Fällen kann eine Anzeige bei der Bezirksverwaltungsbehörde erfolgen
- Motorräder: In der Regel 50 % des PKW-Tarifs auf Autobahnstrecken; auf Alpenstraßen gelten eigene Tarife
- PKW: Standardtarif
- PKW mit Anhänger/Wohnwagen: Oft **höherer Tar
Tipp: Wer die Brennermaut umgehen möchte, kann über den Brennerpass auf der alten Bundesstraße (B182) fahren – allerdings dauert die Fahrt deutlich länger und die Straße ist kurvenreich.
2. Tauern Autobahn (A10) – Tauern- und Katschbergtunnel
Die Tauern Autobahn verbindet Salzburg mit Villach und durchquert dabei zwei bedeutende Tunnel:
3. Arlberg Schnellstraße (S16) – Arlbergtunnel
Der Arlbergtunnel ist mit einer Länge von rund 14 km einer der längsten Straßentunnel Österreichs und verbindet Tirol mit Vorarlberg.
Achtung: Der Arlbergpass ist im Winter häufig gesperrt. Informieren Sie sich vorab über die aktuelle Straßenlage!
4. Pyhrn Autobahn (A9) – Bosruck- und Gleinalmtunnel
Die Pyhrn Autobahn verbindet Oberösterreich mit der Steiermark und umfasst zwei mautpflichtige Tunnel:
5. Karawanken Autobahn (A11) – Karawankentunnel
Der Karawankentunnel verbindet Österreich mit Slowenien und ist eine wichtige Transitstrecke Richtung Südosteuropa.
6. Weitere Sondermautstrecken
Neben den großen Autobahnstrecken gibt es zahlreiche Alpenstraßen und Passstraßen, die ebenfalls mautpflichtig sind:
Hinweis: Die Preise können sich jährlich ändern. Prüfen Sie vor Reiseantritt immer die aktuellen Tarife auf den offiziellen Webseiten der Betreiber.
Bezahlmöglichkeiten und digitale Lösungen
Die Bezahlung der Sondermaut hat sich in den letzten Jahren stark modernisiert. Folgende Optionen stehen Ihnen zur Verfügung:
Klassische Bezahlung an der Mautstation
An den meisten Mautstationen können Sie bar (Euro), per Kreditkarte oder Debitkarte bezahlen. Beachten Sie, dass an einigen Stationen nicht alle Kartentypen akzeptiert werden.
Videomaut (digitale Streckenmaut)
Die Videomaut ist eine besonders komfortable Lösung: Sie registrieren Ihr Kennzeichen vorab online auf der Website der ASFINAG und bezahlen die Maut digital. An der Mautstation wird Ihr Kennzeichen automatisch per Kamera erfasst, und Sie können die Spur für registrierte Fahrzeuge nutzen – ohne Anhalten.
GO-Box (für LKW und Fahrzeuge über 3,5 t)
Fahrzeuge über 3,5 Tonnen höchstzulässigem Gesamtgewicht nutzen das GO-Mautsystem mit einer elektronischen Mautbox. Für PKW ist dieses System in der Regel nicht relevant.
Jahreskarten und Mehrfahrtenkarten
Für häufig befahrene Sondermautstrecken bietet die ASFINAG Jahreskarten und Mehrfahrtenkarten an, die erhebliche Ersparnisse gegenüber Einzelfahrten ermöglichen.
Spartipp: Wenn Sie eine Strecke mehr als 10 Mal pro Jahr befahren, lohnt sich fast immer eine Jahreskarte. Rechnen Sie vorab durch!
Praktische Tipps für Ihre Reiseplanung
Damit Ihre Fahrt durch Österreich reibungslos verläuft, haben wir die wichtigsten Tipps zusammengestellt:
Vor der Reise
Während der Fahrt
Mautfreie Alternativen
Für preisbewusste Reisende gibt es oft mautfreie Alternativrouten über Bundesstraßen und Passstraßen. Diese sind jedoch in der Regel:
Strafen und Konsequenzen bei Nichtbezahlung
Die Nichtbezahlung der Sondermaut wird in Österreich streng geahndet. Wer ohne gültige Mautentrichtung eine Sondermautstrecke befährt, muss mit folgenden Konsequenzen rechnen:
Unser Rat: Bezahlen Sie die Maut immer ordnungsgemäß. Die Kosten für eine Einzelfahrt sind im Vergleich zu den möglichen Strafen verschwindend gering.
Sondermaut für Wohnmobile, Gespanne und Motorräder
Die Mautgebühren variieren je nach Fahrzeugkategorie: